Frank Wedekind - Frank Wedekind Persönlichkeiten Hannover.
Frank Wedekind
Frank Wedekind


(R.M.) Unter den berühmten historischen Persönlichkeiten Hannovers sind auch solche, die nur einen kurzen Teil ihrer Kindheit an der Leine verbracht haben. Zu ihnen gehört ein ganz besonderer Schriftsteller und Schauspieler. Sein Werk ist bis heute umstritten und seine Theaterstücke sorgten in der Zeit rigoros bürgerlicher Moralvorstellung nicht selten für Skandale in der Kulturwelt oder unterlagen gar einer strengen Zensur. Die Rede ist von dem Schriftsteller Frank Wedekind, nachdem auch eine Straße und ein Platz in der hannoverschen List benannt ist.

Nach der gescheiterten Märzrevolution im Jahre 1848 war Wedekinds Vater, ein berühmter Arzt für Frauenheilkunde, nach Kalifornien ausgewandert und machte dort mit Grundstücksgeschäften während des Goldrausches ein Vermögen. Nach seiner Rückkehr aus den Staaten blieb er eine Zeit lang in Hannover, wo Wedekind 1864 als erster Sohn geboren wurde. Bald wiederum unzufrieden mit den politischen Verhältnissen in Deutschland, zieht die Familie in die Schweiz. Dort wächst der Autor mit fünf weiteren Geschwistern auf. Nach der Matura entscheidet er sich für ein Studium der Literaturwissenschaften, das er, genau wie ein darauffolgendes Jurastudium, bald abbricht. Seine literarischen Ambitionen sind stärker, und so gründet er 1896 zusammen mit mehren Schriftstellern in München das Satiremagazin Simplizissimus. Bald muss er wegen eines satirischen Gedichtes über Wilhelm II. nach Paris fliehen und wird bei seiner Wiedereinreise wegen Majestätsbeleidigung zu einem halben Jahr Kerkerhaft verurteilt. Wedekinds Werke bilden bis heute Stoff für kleine Skandale auf der Bühne. Seine Stücke Erdgeist und Die Büchse der Pandora haben etwa Alban Berg zu seiner Oper Lulu inspiriert. Noch in den achtziger Jahren sorgte Peter Zadek mit dem gleichnamigen Stück in Hamburg für wilde Auseinandersetzungen in der Kulturwelt. Wedekinds Stücke bewegen sich im Schattenmilieu und zeigen in Figuren wie Lulu den Widerspruch zwischen ungezügelter Lust und der Brechung des Subjektes durch rigide bürgerliche Moral. Der schonungslose Blick auf die gesellschaftliche Wunde macht die Stücke so anziehend und skandalös zugleich. Vor nicht langer Zeit ist der Stoff nun auch für Broadway Musical Inszenierungen entdeckt worden. Es ist schön zu sehen, dass die Kunst immer wieder an die Quellen ihrer Geburt zurückkehrt. Wedekind starb 1918 in München. Bei seiner Beerdigung waren viel bedeutende Künstler wie Berthold Brecht, aber auch zahlreich Damen aus dem Rotlichtmilieu zugegen. Ein kleiner Skandal damals.
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