Mary Wigman - Historische Persönlichkeiten Wigman Juli 2011.
Mary Wigman (wikipedia)
Mary Wigman


(R.M.) Es ist für uns Hannoveraner längst kein Geheimnis mehr: Die Geschichte unserer Stadt und deren historischen Persönlichkeiten halten immer wieder eine Überraschung für uns bereit. Haben wir an dieser Stelle schon eine Reihe von Erfindern, Entdeckern, Architekten und Schriftstellern vorgestellt, findet sich diesmal eine Frau, die ihr Leben in besonderer Weise der Kunst und Kultur gewidmet hat. Mary Wigman gilt als eine der Gründerinnen des modernen Ausdruckstanzes. Im Wesentlich steht ihr Name für das, was unter New German Dance in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts weltberühmt wurde und auch heute noch wegweisend für viele moderne Choreographien ist.

Als Karoline Sophie Marie Wiegmann 1886 in Hannover geboren, verbrachte die junge Tänzerin bereits ihre Jugend wie eine Weltbürgerin der Kunst in Hannover, England, den Niederlanden und Lausanne. Ab 1911 widmete sie sich intensiv dem Studium der rhythmischen Gymnastik bei Emile Jaques Dalcroze, bis der Maler Emil Nolde ihr riet, in die Schweiz zu gehen und dort bei dem weltberühmten Rudolph von Labans in die Schule für Kunst einzutreten. Laban selbst galt als einer der Pioniere des modernen, expressiven Ausdruckstanzes. Er hat Mary Wigman in ihrer Entwicklung dorthin entscheidend beeinflusst.
Ihre ersten öffentlichen Auftritte hatte sie in München mit dem Hexentanz und Ein Elfentanz. Während des Ersten Weltkrieges blieb sie in der Schweiz als Assistentin von Laban. Danach ging sie mit einer Reihe von Tänzen auf Tournee, unter ihnen auch Die vier ungarischen Tänze nach Johannes Brahms. Ihr öffentlicher Durchbruch zur anerkannten Tänzerin gelang ihr mit ihren großen Auftritten in Hamburg und Dresden.
Ab 1920 eröffnete Mary Wigman eine eigene Schule des modernen Tanzes in Dresden und bildete fortan auch selbst Tänzer und Tänzerinnen in dieser Formation aus. Ihre damals gegründete Schule ist heute noch ein Teil der Sächsischen Staatsoper in Dresden. Zu ihren berühmtesten Schülern gehörten Harald Kreutzberg und Gret Palucca.
Zum Ende der 20er Jahre tourniert Mary Wigman mit der von ihr gegründeten Kammertanzgruppe durch Deutschland, das nahe Ausland, England und schließlich auch durch die USA. Die Pionierin des modernen expressionistischen Tanzes galt schnell als Idol. Stets war sie bemüht, die Ausdrucksform des Tanzes aus der Fesselung der Musik zu lösen. Viele Stücke wurden nur von Gongs oder Trommeln begleitet und manchmal gab es gar keine äußere rhythmische Begleitung, was besonders in intellektuellen Kreisen geschätzt wurde.
In der Zwischenzeit hatte Mary Wigman eine Reihe von Filialen ihrer Schule gegründet – unter anderem in New York – wo die angehenden Tänzer und Choreographen des modernen expressionistischen Stils ausgebildet wurden. Die Schulen waren sehr beliebt. Es wurden dort zeitweise an die 2000 Schüler unterrichtet.
Mary Wigman gilt als unermüdliche Schöpferin neuer Solotänze und visionärer Formationen. Mit Das Totenmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges, Tänze des Schweigens und Die sieben Tänze des Lebens seien nur einige genannt.
Nachdem sie 1942 ihre Dresdener Schule verkaufen musste, gründete sie in der Nachkriegszeit ein neues Institut in Leipzig. Es folgte 1949 das Mary Wigman Studio in Berlin (West).
1953 stand die Tänzerin in Die Seherin ein letztes Mal selbst auf der Bühne. In späteren Jahren widmete sie sich mehr der Ausbildung und am Ende ihres Lebens unternahm sie ausgedehnte Vortragsreisen. Mary Wigman starb 1973 in Berlin. An ihrem Geburtshaus in der Schmiedestraße 18 in Hannover erinnert eine Gedenktafel an die große Tänzerin, Lehrerin und Choreographin, ohne die es den modernen Tanz nicht in der Form geben würde, wie wir ihn heute kennen und erleben dürfen.
Sie befinden sich hier: Mary Wigman im Onlinemarkt-Hannover.de   (C27648)
Copyright © 2000 - 2019 1A-Infosysteme.de | Content by: 1A-Onlinemarkt.de | 19.05.2019 | CFo: Yes  ( 0.465)