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Eigentlich ist Gottfried Wilhelm Leibniz ursprünglich gar kein Hannoveraner, denn er wurde im Jahre 1646 in Leipzig geboren. Schon als Achtjähriger durchstöberte er gerne die umfangreiche Bibliothek seines Vaters, eines Professors für Moralphilosophie und brachte sich, um die Schriften besser zu verstehen, autodidaktisch die lateinische und griechische Sprache bei. Mit erst 15 Jahren immatrikulierte sich Leibniz anfangs an der Universität Leipzig, später in Jena, um dort Theologie, Philosophietheorie und Mathematik zu studieren. Seinen Versuch, mit 20 Jahren den Doktor in Rechtswissenschaften in Leipzig zu machen, lehnte man wegen seines Alters ab. Daraufhin ging er nach Nürnberg, wo man ihm den Wunsch gewährte.
Fortan war Leibniz in ganz Europa unterwegs, um in Fürsten- und Königshäusern diplomatisch tätig zu werden, sich mit entscheidenden Köpfen aus Philosophie und Wissenschaft zu beraten und seine Ideen an rechten Stellen und Akademien zu diskutieren. Für die Vorstellung seiner theoretischen Arbeiten über den Bau einer Rechenmaschine für Grundrechenarten nahm man ihn 1673 in die Londoner Royal Society auf, was zu den höchsten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ehren jener Zeit gehörte. Im Jahre 1676 wurde er Hofrat und Hofbibliothekar in Hannover, später auch in der bekannten Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Der Universalgelehrt lebte dann ab 1698 in dem heute nach ihm benannten Leibnizhaus in der Nähe des Hohen Ufers.
Leibniz Verdienste in der Philosophie, der Naturwissenschaft, der Mathematik und auch der Technik sind umfassend und nur schwer zu überschauen. Seine Philosophie gehört in die Epoche der Frühaufklärung und trägt eine idealistische Denkrichtung. Bekannt ist vor allem die von Leibniz verfasste Theodizee, in der die Welt, mit all ihren guten Seiten und Makeln als Folge einer höheren Ordnung, der prästabilisierten Harmonie, begriffen wird. Auch hat seine Monadologie einen festen Platz in der Philosophiegeschichte gefunden. Entscheidender für Wissenschaft und Technik sind allerdings seinen Arbeiten zur Infinitesimalrechnung, ohne die eigentlich heute keine moderne Naturwissenschaft mehr auskommt. Um die Rechte an der Entdeckung der Integral- und Differentialrechnung gab es später einen sehr langen Plagiatstreit zwischen Issaac Newton, Leibniz und dem Schweizer Mathematiker Bernoulli, der sogar noch nach dem Tod es Philosophen im Jahre 1716 weitergeführt wurde.
Im Herbst 2007 erklärte die UNESCO den in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrten Briewechsel des Universalgelehrten zu einem Teil des Weltdokumentenerbes und damit zu einem wichtigen Bestandteil des Weltgedächtnisses. Es gibt wohl keine höhere Ehrung für die Leistung dieses unermüdlichen, genialen Philosophen, dessen Name nun auch die hiesige Technische Universität seit einiger Zeit trägt.