(R.M.) Hannover ist eine rhythmische Stadt und zur Rhythmik gehört die Musik. Da diese Stadt voller Überraschungen ist, wird es vielleicht wenig verwundern, dass es wiederum ein hannoveraner Pionier war, der den ersten industriell reproduzierbaren Tonträger erfunden hat und ihm den Namen Schallplatte gab. Der junge Erfinder hieß Emil Berliner und gehörte zu denen, die den amerikanischen Traum auch gelebt haben. 
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Als Sohn eines Kaufmannes wurde Emil Berliner im Mai 1852 in Hannover geboren. Mit 19 Jahren schon zog es ihn über den Atlantik in die Vereinigten Staaten, wo er anfangs seine Brötchen zwar nicht als Tellerwäscher, jedoch als Buchhalter verdiente. In seiner Freizeit gab sich der junge Berliner seinen kreativen Ambitionen hin. Er entwickelte Anfangs Rezepte für Mixgetränke aus Sirup, Kaffe und Schokolade, interessierte sich aber sehr bald eher für physikalische Studien. Ein erstes Patent meldete er schon 1877 für die Entwicklung eines neuartigen Kohlefasermikrofons an, das er gewinnbringend an die amerikanische Telefongesellschaft Bell Telephone Company verkaufen konnte.
Doch es sollte erst der Anfang sein. Das von Edison erdachte Konzept eines zylinderartigen Tonträgers war zwar eine geniale Erfindung, die Serienproduktion war jedoch so teuer, dass sie für die große Mehrheit der Bevölkerung unerschwinglich gewesen wäre. Berliner erdachte das Konzept einer Platte, in die eine Tonrille horizontal spiralförmig von außen nach innen eingepresst werden konnte. Anfangs geschah dies noch auf einem Zinkblech, später versuchte es Berliner dann mit Hartgummi. Die Klangqualität der Platte ließ jedoch noch sehr zu wünschen übrig. Der junge Forscher gab nicht auf und intensivierte daraufhin seine Experimentierfreudigkeit bezüglich neuer Materialien. Eine bizarre Mischung aus Gesteinsmehl, Ruß, Pflanzenbestandteilen und dem Sekret eines ostindischen Insekts (Schellack) ergab schließlich den rechten Stoff, aus dem Berliners Träume Wahrheit werden konnten. Die Schellackplatte und das gleich auch von ihm dazu erfundene und so benannte Grammophon ließen sich zu erschwinglichen Preisen produzieren. Mit dem Ende das 19. Jahrhunderts trat die von dem gebürtigen Hannoveraner erfundene Schallplatte ihren unaufhaltsamen Siegeszug an und brachte vom Walzer über den Jazz bis hin zum Rock ''''n'''' Roll die gepresste Musik in die Wohnzimmer der Welt.
Berliner gründete mehrere Firmen in New York und 1898 die Deutsche Grammophon Gesellschaft in Hannover. Erst 60 Jahre später wurde das Material des genialen Erfinders durch Vinyl abgelöst. Doch das Prinzip der bespielbaren Platte hielt sich bis zur Erfindung der CD durch und erhält gerade wieder ein kräftiges Revival.